DEKRA Reparatur Stundensätze (DRS): Was Werkstätten und Geschädigte wissen müssen
Die DEKRA Reparatur Stundensätze (DRS) sind der offizielle Kompass für faire und transparente Werkstattkosten nach einem Unfall. Erfahren Sie, wie diese Daten ermittelt werden und wie Sie sie für Ihre Schadensregulierung optimal nutzen.
Auf einen Blick
- Die regionalen Unterschiede sind dabei erheblich, wie ein Blick auf die Extreme zeigt:
DEKRA Reparatur Stundensätze (DRS): Ihr Kompass im Kostendschungel der Werkstätten
Die DEKRA Reparatur Stundensätze, kurz DRS, sind eine der wichtigsten Kennzahlen in der Welt der Schadensregulierung nach einem Verkehrsunfall. Sie bieten eine verlässliche Orientierung über die durchschnittlichen Kosten, die für eine Werkstattstunde in einer bestimmten Region anfallen. Jedes Jahr am 2. Januar veröffentlicht die renommierte Sachverständigenorganisation DEKRA diese wertvollen Daten und schafft damit eine transparente Grundlage für KFZ-Gutachter, Werkstätten und nicht zuletzt für die Geschädigten selbst.
Wie die DEKRA-Stundensätze ermittelt werden: Ein Blick hinter die Kulissen
Die Ermittlung der DRS ist ein sorgfältiger und transparenter Prozess, der auf einer beeindruckenden Datenmenge basiert. Als Grundlage dienen alle KFZ-Gutachten, die von der DEKRA im Laufe eines Jahres für Privatkunden und Versicherungen erstellt werden. Dieser riesige Datenschatz wird in einem zweistufigen Verfahren ausgewertet, um ein möglichst genaues Abbild des regionalen Preisgefüges zu zeichnen.
Im ersten Schritt werden die durchschnittlichen Nettostundenverrechnungssätze für die drei zentralen Gewerke – Mechanik, Karosserie und Lackierung (hierbei ohne die Kosten für das Lackmaterial) – aus den Gutachten extrahiert. Dabei berücksichtigt DEKRA sowohl die Abrechnungen von markengebundenen Fachwerkstätten als auch die von freien Reparaturbetrieben. Im zweiten Schritt erfolgt die regionale Verdichtung: Für jeden Postleitzahlenbereich, definiert durch die ersten beiden Ziffern der PLZ, wird das arithmetische Mittel aus den erfassten Sätzen gebildet. Das Ergebnis ist eine detaillierte Landkarte der Werkstattkosten in ganz Deutschland.
Die aktuelle Preisentwicklung: Ein ungebrochener Aufwärtstrend
Die Kosten für Fahrzeugreparaturen kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Eine Auswertung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigt, dass die durchschnittlichen Stundenverrechnungssätze bereits 2023 die Marken von 188 Euro für Mechanikarbeiten und 205 Euro für Lackierungen überschritten haben. Seit 2017 summiert sich die Teuerung auf über 40 Prozent. Die jüngste Veröffentlichung der DRS zum 2. Januar 2026 bestätigt diesen Trend mit einer erneuten, wenn auch leicht abgeschwächten, Steigerung von durchschnittlich 7,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Die regionalen Unterschiede sind dabei erheblich, wie ein Blick auf die Extreme zeigt:
| Region (PLZ-Gebiet) | Gewerk | Durchschnittlicher Stundensatz (2026) |
|---|---|---|
| München (80-81) | Lack | 243,00 € |
| München (80-81) | Karosserie | 235,75 € |
| Cottbus (03) | Lack | 165,25 € |
Diese Tabelle verdeutlicht, dass zwischen den teuersten und den günstigsten Regionen eine Preisdifferenz von fast 80 Euro pro Stunde liegen kann. Diese Information ist für die Fiktive Abrechnung eines Schadens von besonderer Bedeutung.
Aushang, Vereinbarung und die Tücken im Kleingedruckten
Ein entscheidender Punkt, der oft zu Auseinandersetzungen bei der Schadensregulierung führt, ist der Unterschied zwischen den offiziell ausgehängten Stundensätzen einer Werkstatt und den Sonderkonditionen, die viele Betriebe mit Haftpflicht- oder Kaskoversicherungen aushandeln. Als Geschädigter haben Sie grundsätzlich das Recht, Ihr Fahrzeug in einer markengebundenen Fachwerkstatt Ihrer Wahl reparieren zu lassen. Die Versicherung darf Sie nicht auf eine günstigere Alternative verweisen, wenn deren Preise lediglich auf solchen Sondervereinbarungen beruhen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat diese Position des Verbrauchers in ständiger Rechtsprechung gestärkt (z.B. Urteil vom 07.02.2017, Az. VI ZR 182/16). Der ortsübliche und angemessene Stundensatz ist maßgeblich, nicht ein rabattierter Sondertarif.
Warum die DRS für Sie als Geschädigter bares Geld wert sind
Für einen unabhängigen KFZ-Gutachter sind die DRS eine unerlässliche Kalkulationsgrundlage, um die voraussichtlichen Reparaturkosten nach einem Unfall realistisch und nachvollziehbar zu beziffern. Dieses Gutachten ist Ihr stärkstes Argument gegenüber der regulierenden Versicherung.
Die DRS geben Ihnen als Geschädigtem die nötige Sicherheit und Transparenz. Sie helfen Ihnen, die Angemessenheit der Werkstattrechnung zu überprüfen und sich gegen unberechtigte Kürzungspositionen der Versicherung zur Wehr zu setzen. Insbesondere bei der Fiktive Abrechnung, also wenn Sie sich den Schaden auszahlen lassen, statt ihn zu reparieren, versuchen Versicherer oft, die Stundensätze zu drücken. Mit dem Verweis auf die offiziellen DEKRA-Daten und ein solides KFZ-Gutachten haben Sie hier die besseren Karten und können Ihre Ansprüche auf vollen Schadensersatz, inklusive einer eventuellen Wertminderung, erfolgreich durchsetzen.
So nutzen Sie die DEKRA-Daten optimal für sich
Der erste und wichtigste Schritt nach einem unverschuldeten Unfall ist immer die Beauftragung eines qualifizierten und unabhängigen Sachverständigen. Dieser wird die DRS in seinem Gutachten berücksichtigen. Weigert sich die Versicherung, die im Gutachten angesetzten Sätze zu akzeptieren, sollten Sie umgehend Widerspruch einlegen und auf die validen Daten der DEKRA verweisen. Über das Online-Portal der DEKRA können Sie zudem jederzeit selbst die für Ihre Postleitzahl gültigen Durchschnittssätze abfragen und haben so ein starkes Argument in der Hand.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was sind die DEKRA Reparatur Stundensätze (DRS)?
Die DRS sind eine jährlich von der DEKRA veröffentlichte Übersicht über die durchschnittlichen Stundenverrechnungssätze von KFZ-Werkstätten in Deutschland, aufgeschlüsselt nach Regionen und Gewerken (Mechanik, Karosserie, Lack).
Warum sind die DRS für mich als Geschädigter wichtig?
Die DRS bieten Ihnen eine verlässliche und unabhängige Grundlage, um die von der Werkstatt in Rechnung gestellten oder vom Gutachter kalkulierten Reparaturkosten zu überprüfen. Sie sind ein starkes Argument gegen ungerechtfertigte Kürzungen durch die gegnerische Versicherung, insbesondere bei der fiktiven Abrechnung.
Darf die Versicherung mich an eine günstigere Werkstatt verweisen?
Nein, grundsätzlich nicht. Sie haben das Recht auf eine Reparatur in einer markengebundenen Fachwerkstatt. Die Versicherung darf Sie nur dann auf eine günstigere Alternative verweisen, wenn diese qualitativ gleichwertig ist und nicht nur aufgrund von Sonderkonditionen billiger ist. Der BGH hat dies mehrfach bestätigt.
Wo finde ich die aktuellen DEKRA-Stundensätze für meine Region?
Die DEKRA stellt auf ihrer Webseite ein Online-Tool zur Verfügung, bei dem Sie durch Eingabe Ihrer Postleitzahl die durchschnittlichen Stundensätze für Karosserie, Lack und Mechanik in Ihrer Region abrufen können.
Wie werden die DRS ermittelt?
Die DEKRA wertet jährlich zehntausende von erstellten KFZ-Gutachten aus Privat- und Versicherungsaufträgen aus. Aus diesen Daten wird für jede PLZ-Region (die ersten beiden Ziffern) ein arithmetisches Mittel der Stundenverrechnungssätze für freie und markengebundene Werkstätten gebildet.
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