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Stundenverrechnungssätze

Stundenverrechnungssätze bei Elektrofahrzeugen: Was Autofahrer wissen müssen

Die Elektromobilität bringt höhere Stundenverrechnungssätze für Werkstätten mit sich. Erfahren Sie, warum die Sätze für E-Autos gerechtfertigt sind und was das für Ihre Werkstattrechnung bedeutet.

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# Stundenverrechnungssätze bei Elektrofahrzeugen: Was Autofahrer wissen müssen

Die Elektromobilität verändert nicht nur das Fahrerlebnis, sondern stellt auch die KFZ-Branche vor neue Herausforderungen. Insbesondere die Stundenverrechnungssätze (SVS) für Elektrofahrzeuge sorgen für Diskussionen, da sie tendenziell höher ausfallen als bei Verbrennern. Doch sind diese höheren Sätze gerechtfertigt und was bedeutet das für Sie als Autofahrer?

Höhere SVS bei E-Fahrzeugen: Die Gründe

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) hat im Januar 2026 eine klare Position bezogen: Höhere Stundenverrechnungssätze für Arbeiten an Elektroautos sind gerechtfertigt. Die Begründung liegt in den gestiegenen Anforderungen an die Werkstätten. E-Fahrzeuge besitzen deutlich mehr elektrische und komplexere Komponenten als ihre Pendants mit Verbrennungsmotor. Dies erfordert nicht nur ein Umdenken in der Schadensregulierung, sondern auch eine massive Investition in die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter. Die Qualifikation zum "Fachkundigen für Arbeiten an Hochvolt-Systemen" ist mittlerweile unerlässlich, um an E-Autos arbeiten zu dürfen. Diese speziellen Schulungen und die damit verbundenen Kosten fließen in die Kalkulation der Stundenverrechnungssätze ein.

Es ist wichtig zu verstehen, dass der Stundenverrechnungssatz einer Werkstatt nicht mit dem reinen Stundenlohn eines Mechatronikers gleichzusetzen ist. Vielmehr handelt es sich um einen Mischkalkulationssatz, der eine Vielzahl von Kostenfaktoren abdeckt. Dazu gehören neben den Personalkosten auch Ausgaben für Spezialwerkzeuge, die technische Ausstattung der Werkstatt, Arbeitssicherheit, Versicherungen und Gewährleistungsaufwendungen. Gerade im Bereich der Elektromobilität sind diese Investitionen erheblich.

E-Autos: Weniger Schäden, aber höhere Kosten pro Fall

Interessanterweise verursachen Elektrofahrzeuge statistisch gesehen weniger Schäden als Verbrenner. Wenn es jedoch zu einem Schaden kommt, sind die Reparaturkosten im Durchschnitt deutlich höher. Dies liegt an den teuren Komponenten wie der Hochvoltbatterie, die bei einem Totalschaden oft den gesamten Restwert des Fahrzeugs übersteigt. Die Kalkulation eines KFZ-Gutachtens wird dadurch komplexer und erfordert spezielles Fachwissen eines KFZ-Gutachters.

ADAC-Vergleich: Wartungskosten von E-Autos und Verbrennern

Eine aktuelle Untersuchung des ADAC hat die Wartungskosten von Elektroautos und vergleichbaren Verbrennern gegenübergestellt. Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild. Die reinen Wartungskosten bei E-Autos sind im Schnitt rund 30% niedriger, da viele wartungsintensive Bauteile des Verbrennungsmotors entfallen. Allerdings zeigt die ADAC-Studie auch, dass bei Elektroautos oft höhere Stundensätze angesetzt werden, was den Kostenvorteil teilweise wieder aufhebt.

FahrzeugklasseØ Wartungskosten E-Auto p.a.Ø Wartungskosten Verbrenner p.a.Differenz
Kleinwagen350 €500 €-30%
Kompaktklasse450 €650 €-31%
Mittelklasse550 €800 €-31%

Besonderheiten bei der Schadenkalkulation

Die Schadenkalkulation bei Elektrofahrzeugen birgt einige Besonderheiten. So muss nach einem Unfall oft die Hochvoltbatterie ausgebaut und in einem speziellen Quarantänebereich gelagert werden, um Brandgefahren auszuschließen. Dies verursacht zusätzliche Kosten, die bei der Fiktive Abrechnung berücksichtigt werden müssen. Auch die Diagnose und Reparatur der komplexen Elektronik erfordert teure Spezialgeräte und geschultes Personal. Die Haftpflichtversicherung und Kaskoversicherung haben sich auf diese neuen Gegebenheiten eingestellt und bieten spezielle Tarife für E-Autos an, die diese Risiken abdecken.

Zukunftsausblick

Die Elektromobilität wird die KFZ-Branche weiter nachhaltig verändern. Die Stundenverrechnungssätze werden sich voraussichtlich auf einem höheren Niveau einpendeln, was die gestiegenen Investitions- und Qualifizierungskosten der Werkstätten widerspiegelt. Gleichzeitig werden die Wartungskosten für Verbraucher durch den geringeren Verschleiß tendenziell sinken. Für Autofahrer bedeutet dies, dass sie sich vor dem Kauf eines Elektroautos nicht nur über die Anschaffungskosten, sondern auch über die potenziellen Folgekosten informieren sollten. Eine gute Beratung durch einen qualifizierten KFZ-Gutachter kann hierbei helfen, die richtige Entscheidung zu treffen und die Wertminderung des Fahrzeugs realistisch einzuschätzen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Sind Reparaturen an E-Autos immer teurer?

Nicht zwangsläufig. Während die durchschnittlichen Kosten pro Schadenfall bei E-Autos höher sind, verursachen sie statistisch gesehen weniger Schäden. Die Kosten hängen stark von der Art des Schadens ab. Ein kleiner Blechschaden ist bei beiden Antriebsarten ähnlich teuer, während ein Schaden an der Hochvoltbatterie die Reparaturkosten in die Höhe treiben kann.

Warum sind die Stundenverrechnungssätze für E-Autos höher?

Die höheren Sätze resultieren aus den gestiegenen Anforderungen an die Werkstätten. Dazu gehören teure Spezialwerkzeuge, die Qualifizierung der Mitarbeiter für Arbeiten an Hochvolt-Systemen und umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen. Diese Investitionen werden auf die Stundenverrechnungssätze umgelegt.

Übernimmt meine Versicherung die höheren Reparaturkosten?

Ja, in der Regel decken die Haftpflicht- und Kaskoversicherung die Reparaturkosten für E-Autos ab. Es empfiehlt sich jedoch, eine spezielle E-Auto-Versicherung abzuschließen, die auch Risiken wie einen Akkuschaden oder den Diebstahl des Ladekabels abdeckt.

Kann ich mit einem E-Auto bei der Wartung Geld sparen?

Ja, die reinen Wartungskosten sind bei E-Autos im Schnitt rund 30% günstiger als bei vergleichbaren Verbrennern, da viele wartungsintensive Bauteile entfallen. Allerdings können höhere Stundenverrechnungssätze diesen Vorteil teilweise wieder ausgleichen.

Was sollte ich bei einem Unfall mit einem E-Auto beachten?

Nach einem Unfall sollten Sie umgehend eine Fachwerkstatt aufsuchen, die für Arbeiten an Hochvolt-Fahrzeugen qualifiziert ist. Informieren Sie die Werkstatt darüber, dass es sich um ein Elektroauto handelt, damit entsprechende Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden können. Lassen Sie in jedem Fall ein KFZ-Gutachten von einem unabhängigen Sachverständigen erstellen, um Ihre Ansprüche gegenüber der Versicherung geltend zu machen.

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